Kommt jetzt der kostenlose Nahverkehr?
Die Fakten auf einen Blick
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Angesichts der hohen Luftverschmutzung in Großstädten und des drohenden Diesel-Fahrverbots reagierte die Bundesregierung mit dem Vorschlag einer finanziellen Förderung des öffentlichen Nahverkehrs, der dementsprechend bald kostenlos genutzt werden könnte.
Doch wird aus dieser Erwägung bald wirklich Realität? Und, vor allem, was spricht dafür – oder sogar dagegen? All das verraten wir dir auf den nächsten Seiten ...
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Neben dem Blick auf das Gemeinwohl sollte wohl auch der Druck aus Brüssel eine Rolle spielen, der die Bundesregierung zum Umdenken gebracht hat: Da Deutschland nämlich eine Klage seitens der EU droht, weil in vielen Städten die gesetzten Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß überschritten wurden und werden, soll nun schnellstens reagiert werden.
Die Vorteile eines kostenlosen ÖPNVs liegen dabei natürlich auf der Hand: Weniger Privatfahrzeuge, damit weniger Stickoxid-Ausstoß und auch eine geringere Umweltbelastung sowie Gesundheitsgefährdung.
Doch die Kehrseite der Medaille ist alles andere als überschaubar, so Kritiker ...
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Vor allem die Kostenfrage bereitet einigen Kopfzerbrechen: Sind Kommunen und Verkehrsbetriebe in der Zahlungspflicht? Eigentlich unmöglich – schließlich fehlen an vielen Stellen jetzt schon Personal und Budget, die sogar noch in größerer Zahl benötigt würden, wenn der kostenlose ÖPNV sich durchsetzt.
Nicht außer Acht lassen darf man außerdem infrastrukturelle Veränderungen, die der Bund zu bewältigen hätte – das alles benötigt jedoch Zeit und lässt sich nicht von heute auf morgen umstellen.
Tatsächlich gibt es jedoch eine europäische Stadt, die diese Probleme nun schon seit fünf Jahren erfolgreich löst und kostenlosen Nahverkehr anbietet:

In Estlands Hauptstadt Tallinn können Einwohner den ÖPNV seit 2013 kostenlos nutzen. Interessant ist, dass die Bahnen und Straßenbahnen trotz des hohen Fahrgastaufkommens sauber und keinesfalls überfüllt sind.
Doch mit rund 430.000 Einwohnern ist Tallinn auch eine vergleichsmäßig kleine Stadt – ob sich das Projekt in einer Millionenstadt wie Berlin umsetzen lässt, ist natürlich eine ganz andere Frage.
Wie wahrscheinlich ist es also, dass auch in Deutschland der kostenlose Nahverkehr zur Realität wird?
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Am einfachsten könnte man diese Frage beantworten, wenn man eine Art Testdurchlauf in mehreren Städten machen würde. Schließlich ist es ja offensichtlich, dass neue Lösungen hermüssen – und diese sollten vorher erprobt werden.
Sicherlich wäre es in vielen Städten aber auch sinnvoll, den ÖPNV erst einmal generell attraktiver und zuverlässiger zu gestalten, damit die Menschen ihn freiwillig nutzen – ganz ohne Blick auf die Kostenfrage ...